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MilchAuge Marcus Wagenknecht war das Wort x x x

Ich las das Buch: "Die Frühreifen" von Philippe Dijan (Diogenes 2008)

Der 13jährige Knabe Evy hat seine ältere Schwester Lisa durch einen Boots-Unfall am See verloren. Laure & Richard sind seine Eltern, die seither am Leben verzweifeln. Das Rätsel um Lisas Tod ist Motor zum Weiterlesen des Buches.

Laure ist Schauspielerin, Richard Schriftsteller. Dadurch kann die Familie auf dem "Hügel" wohnen, einem Wohngebiet für Reiche & Prominente. Nachbarschaftsklatsch macht 10% des Romans aus & der "Hügel" selbst ist eine Art "Held des Buches". An Evy hängen noch: Andreas als Freund, Anais als Klette und Gaby als Angebetete. Dany gehört zwar altersmäßig eher zur Elterngeneration - doch als Einsiedler, Gärtner & Drogenlieferant schleimt er sich bei der Jugend ein.

Lisa hatte gleichzeitig Sex mit Patrick und Gaby, Andreas rät zu Sex als Medizin, Laure hat Sex auf der Besetzungscouch, Richard Sex mit Schülerin Gaby, Dany läss sich mit Sex Drogen bezahlen - nur der Held Evy kippt sich Glasscherben in den Slip, um in Gabys Anwesenheit nicht zu entgleisen!

Die Sogwirkung des Buches entzündet sich an dem Voyerismus: Ne ne diese Reichen! Was die für Probleme haben! Besser ich bin ni' reich! Ein Irrtum, denn diese Probleme haben auch wir Armen. (wenn auch weniger dramatisch) Dijan schreibt chronologisch & lässt neben Evy auch Andere die Geschichte erzählen. Die Übergänge sind wohltuend holprig & es braucht Zeit, sich auf die neue Perspektive einzustellen. Einmal mischt sich gar der Autor selbst ein - echt zum Schmunzeln!

In der 2ten Hälfte des Buches verdichten sich die Zeichen, dass wohl DROGEN Katalysator aller Katastrophen waren: Selbstmord, Unfall, Einbruch, Brandstiftung, Prostitution, Liebe, Hass, falsche Freundschaft... Großer Dank an den Autoren, dass er das die 1te Hälfte des Buches erfolgreich verheimlicht hat. Auch Drogen präsentieren ihre Rechnung erst etwas später.

Es wirkt kokett von Dijan, Richard als Schriftsteller mit Schreibblockade in das Buch einzubauen. Wenn Richard die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, dann lese ich als Leser automatisch eine Autobiografie hinein. Ich möchte ihm zurufen: "Verstehe deinen Sohn Evy - schreibe seine Geschichte auf - und dein neuen Roman ist fertig!" Wieder ein Irrtum. Ich als Leser verstehe Evy. Ich als Leser verstehe Richard. Doch leider liegt es in der Natur unseres Zusammenlebens, dass die beiden sich untereinander nie verstehen werden.